Regentonnenvariationen      

 

Ich hob den deckel    

und blickte ins riesige   

auge der amsel

unterm  pflaumenbaum  

hintern haus  - gelassen,

kühl wie ein zenmeister

eine art ofen    

im negativ; qualmte nicht,      

schluckte die wolken

 

gluckste nur kurz auf,     

trat man zornig dagegen,   

aber gab nichts preis.

 

als  stiege durch sie    

die unterwelt hinauf, um              

uns zu belauschen

 

silberne orgel-  

pfeife,  fallrohr:

dort hindurch             

pumpte das wetter

 

einen sommer lang    

ganz versunken. 

dann, bei sturm,      

schäumte sie über.

 

bleib, sprach das dunkel,            

und dein gesicht löst sich auf              

wie ein stück zucker

 

alt wie der garten,    

duftend  wie ein waldsee stand      

da, ein barrel styx*.

 

ein letzter tropfen    

vom baum,   in der stille, still,      

der bebende gong

 

ein grübeln, grübeln;     

im winter die erleuchtung   

als scheibe von eis

 

Jan Wagner

 

 

*Styx ist in der griechischen

 Sage der Fluss zur Unterwelt

 

 

Do. 6. Dezember 2018

Nikolaus

Nach diesem Dürre-Sommer