Do. 5. Dezember

 

Feindselig,

wildzerrissen steigt die Felswand.

 

Das Auge schrickt zurück.

Dann irrt es unstet

Daran herum.

 

Bang sucht es, wo es hafte.

Dort! Über einem Abgrund schwebt ein Brücklein

Wie Spinnweb.

 

Höher um die scharfe Kante

Sind Stapfen eingehaun, ein Wegesbruchstück!

 

Fast oben ragt ein Tor mit blauer Füllung:

Dort klimmt ein Wanderer zu Licht und Höhe!

Das Aug verbindet Stiege, Stapfen, Stufen.

 

Es sucht.

Es hat den ganzen Pfad gefunden,

Und gastlich, siehe, wird die steile Felswand.

 

 

Die Felswand

Conrad Ferdinand Meyer

Aus Gedichte 1882   S. 86   Leipzig Verlag  H. Haessel