Die Grüß-Lücke

 

Nein, ich mag sie nicht, diese  übermannshohen Tujahecken und diese pechschwarzen

Plastikzaunwände, die manches Grundstück begrenzen und vor jedem Einblick von außen abschirmen. Sollen sie Neugierde wecken – ein Geheimnis verstecken – die Privatsphäre schützen? Sei`s drum.

 

Ich gehe gerne an dieser sorgsam geschnittenen Hecke an dem Eckgrundstück vorbei, das an meiner Gehroute in die Marktmitte liegt. Im Frühjahr und Frühsommer erfreuen mich die unterschiedlichen Blüten von Kornelkirschen, Weigelie, Deutzie, kleinblütigem Flieder u. a. Und

ich zähle die Agapanthusblütenstengel am Ausklang der Hecke. Im späten Herbst sorgt der Gingko-Baum für das letzte goldgelbe Blattmuster auf dem Gehweg (Ich hebe immer ein paar Stück auf für mein Zimmer). Jetzt im Winter, wenn das unterschiedliche Zweiggewirr der Hecke den Blick ganz frei gibt auf den kleinen Garten, dann ist auf der Terrasse und an verschiedenen Stellen Advent- und Weihnachtliches arrangiert: natürlich Natürliches und abends freundlich beleuchtet von warmem Lichtschein.

Ich freue mich daran und sehe es als kleines Geschenk an alle an, die hier vorübergehen.

8. Dezember 2021

Und dann kam ich an einem Sommertag in diesem Jahr auch wieder einmal vorbei.

Die Hecke war dicht… Der viele Regen hatte ihr eine für Blicke undurchdringliche  Blätterwand verschafft. Dahinter konnte ich leises Stimmengemurmel hören. „Schade!“, dachte ich. Ich hätte gerne gegrüßt…

Aber da war sie, die Lücke in der Hecke – auf 1 m Höhe ungefähr zurechtgestutzt! Nun sah ich die beiden Hausbesitzer und wir grüßten uns freundlich. „Find ich prima - Ihre Grüß-Lücke!“, rief ich ihnen zu. „Wir möchten die Tiere von gegenüber beobachten! Die Hühner, die Esel!“ sagten sie, „Aber Grüß-Lücke … das ist auch gut!“ Lachend verabschiedeten wir uns.

C. F.