Do. 12. Dezember

Im französischen 3400-Seelen-Ort Crêts-en-Belledonne ist normalerweise nicht so viel los. Es gibt eine Kirche, ein Café, das ein oder andere Wirtshaus und, wie fast überall im Departement Isère, reichlich Blick auf die Berge. Und natürlich eine Schule. Damit fängt der Ärger an.

 

Weil es nicht genügend Schüler gibt, soll eine Klasse geschlossen werden. Das finden die betroffenen Eltern mies und wehren sich mit ungewöhnlichen Methoden. 50 Schafe haben sie auf den Schulhof getrieben. „Unsere Kinder sind keine Schafe, hört auf, sie zu zählen“, lamentieren sie. Um das zu unterstreichen, haben sie 15 ausgewählte Exemplare in die Schule eingeschrieben, damit die Klasse wegen Schülermangel nicht schließen muss.

 

Eines muss man den Franzosen lassen: Protest, das haben sie drauf. Aber haben sie auch an die Folgen gedacht? Wer packt morgens das Pausenbrot/heu ein? Wer hilft bei den Hausaufgaben? Wer büffelt mit den Schafen auf Prüfungen? Dürfen sie beim Schüleraustausch auch nach Bayern und hier Mathe-Abi machen? Fragen über Fragen, und aus Paris kommt nur Schweigen.

GANZ NEBENBEI   vom 9. Mai 2019     Nürnberger Nachrichten Seite 1

Eine Randnotiz von Martin Damerow

  Wer büffelt mit den Schafen?