Afrikanisches Fieber

 

Kapuściński erkrankte in Kampala schwer an Malaria und später an Tuberkulose und bekam  von den beiden Mitarbeitern Dr. Doyles täglich eine Spritze.

 

„In dieser verrückten Welt rassischer Ungleichheit, in der die Hautfarbe alles entscheidet, verschaffte mir meine Krankheit, obwohl ich sie körperlich so schlecht ertrug, unverhofft einen Vorteil: dadurch, dass sie mich so schwach und leidend machte, setzte sie meinen prestigeträchtigen Status als Weißer, der höher steht, herab und gab den Schwarzen die Chance, sich mir ebenbürtig zu fühlen.

 

Nun konnten sie mit mir per du sein, denn ich war immer noch ein Weißer, aber ein reduzierter Weißer, ein Ausschuss-Weißer, ein mit Fehlern behafteter Weißer. In meiner Beziehung zu Edu und Abdullahi kam jene Herzlichkeit zum Ausdruck, die nur unter Gleichen möglich ist. Sie wäre völlig undenkbar gewesen, wenn ich ihnen als starker, gesunder, herrischer Europäer gegenüber getreten wäre. Vor allem luden sie mich nun zu sich nach Hause ein.“ 

 

 

Und dort lernte ich deren Leben besser kennen als je zuvor.

Mi. 12. Dezember 2018

Ryszard Kapuściński