Fr. 13. Dezember

 

Tattoos

 

Warum schweigt die Kirche dazu?  Weil jede Äußerung darüber schnell ins uncharmant Miesekirchliche kippt? Weil es sich um eine Privatsache handelt? Tattoos - also das  Tätowieren im Sommer ist durchaus eine öffentliche Angelegenheit, … weshalb man sich sehr wohl seine Gedanken darüber machen darf. So kann man sich wundern, wie aus einem Kulturgut der Polynesier und anderer Naturvölker eine nordeuropäische Massenware, wie aus einem Stigma für Strafgefangene eine Mode für Angestellte werden konnte.

 

Und man mag sich fragen, welchen Sinn diese Tattoos haben. Was wollen die heute gängigen  Tattoos uns sagen?... Oder sollen sie gar nichts mitteilen, sondern nur den Körper schmücken? Ein Problem ist jedoch, dass dieser Schmuck nicht wirklich nachhaltig ist. Beim Anblick so manchen vor sich hinwelkenden Leibesgeblüms kommt einem unwillkürlich Friedrich Hebbels trauriger Vers in den Sinn: „Ich sah des Sommers letzte Rose stehn.“ Wäre es nicht empfehlenswert, so lange mit dem Ritzen zu warten, bis eine geschmackvoll mit-alternde Tätowier-kunst erfunden worden ist, und sich bis dahin an biblische Verse zu halten wie diesen: „Ihr dürft euch kein Zeichen einritzen lassen“? Doch da wären wir wieder bei dieser uncharmanten Miesekirchlichkeit.

 

Um sie zu vermeiden, sollte man sich daran erinnern, dass es eine christliche Tattoo-Tradition gab. Bevor Papst Hadrian I. es im Jahr 787 n. Chr. auf dem Konzil von Calcuth in Northumberland verbot, ließen sich nicht wenige der frühen Christen allerlei Zeichen einritzen: kein Geweih natürlich, sondern die Initialen Christi, ein Lamm, ein Kreuz oder einen Fisch. Es wird sogar vermutet, dass Paulus tätowiert war. Denn im Brief an die Galater schrieb er: „Ich trage die Zeichen Jesu an meinem Leibe“. Wie gut, dass sich diese Zeichen nicht erhalten haben. Ich wäre sonst fast versucht, mich tätowieren zu lassen.

Johann Hinrich Clausen

 

Tattoos

Von Laubpustern und Tattoos   und anderen christlichen Traditionen  Johann Hinrich Claussen Agentur des Rauhen Hauses Hamburg