„ Der Maler Gustav Klimt hatte einen Auftrag bekommen. Er soll die Baronin Sonja von Knips malen. Äußerlich gesehen war sie keine Schönheit. Sie war von einem harten Leben gekennzeichnet. Ein Foto aus diesen Jahren zeigt sie als unglückliche, teilnahmslose Frau, ohne Ausstrahlung. Klimt malte und malte. Er malte das Bild einer fröhlichen, charmanten, bezaubernden, aufrechten Frau, die aber eindeutig Sonjas Züge zeigt. Klimt hatte sie nur mit einem anderen Blick betrachtet.

Und was ist dann passiert? Sonja hat jetzt tagtäglich das Bild gesehen, das Klimt von ihr gemalt hatte. Es hing in ihrer Wohnung in Wien. Und zehn Jahre später war sie der liebenswerten Frau auf dem Gemälde ähnlicher als der verbitterten Person auf dem alten Photo. Sonja hatte sich zu einer strahlenden Persönlichkeit entwickelt.

 

Pfarrer Christoph Bühlau stellt diese Geschichte in Zusammenhang mit einem Text aus dem Buch Jeremia 31 die Verse  31 und  34

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen…..Vom Kleinsten bis zum Größten werden sie mich alle erkennen. Spruch des Herrn, denn ich werde ihre Schuld verzeihen und an ihre Sünden werde ich nicht mehr denken.

 

Ich stelle mir mit meiner menschlichen Vorstellungskraft vor, dass auch Gott diesen „Klimtblick“ auf mich wirft. Er entdeckt etwas, das noch nicht da ist. Er entdeckt die Schönheit seiner Menschenkinder, die noch keiner sieht. Er entdeckt Liebe, wo noch Wüste ist. Er macht den ersten Schritt und entwirft ein Bild von meinen Mitmenschen und mir: „Sie sollen mich alle erkennen, Klein und Groß“.  „Erkennen“ ist im Hebräischen ein wunderschönes Wort. Es wird verwendet, wo zwei ihre Liebe zueinander entdecken, wo sie sich danach sehnen, eins zu werden.

 

Gott malt mit seinem „Klimtlblick“ ein Bild von mir. Sein Bild trägt den Titel: „Liebe und Schönheit in dir“. Und wenn ich mag, fange ich an mit dem Klimtblick ähnliche Hoffnungsbilder von meinem Nächsten zu malen.

 

Ein Bild das Mut macht      Sonja von Knips, Klimt 1898

 

(gekürzt) Sonntagsblatt aufgenommen am 28. Juni 2020

Pfarrer Christoph Böhlau, Eichenau

15. Dezember 2021

Ein Bild, das Mut macht