Sa. 21. Dezember

Die Schöpfung ist immerhin ein Thema unseres Glaubensbekenntnisses. Was hat es für einen Sinn, dass wir am Sonntag bekennen, wir glaubten an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, wenn uns zugleich die Erde so gleichgültig ist, wie sie es nun Jahrhunderte hindurch gewesen ist.

 

Ich habe nicht den Eindruck, ich stünde meiner Welt „gegenüber“. Ich habe auch nicht den Eindruck, ich sei ihr gegenüber etwas Besonderes, Höherwertiges. Ich fühle mich als ein lebendiges Organ in dem großen lebendigen Leib dieser Erde.

Ich sage damit: ich liebe euch, ihr Bäume, ihr Feldhasen, ihr Bäche und ihr Singvögel, ihr Wiesen und Sümpfe, ihr Meere, ihr Hochgebirge. Ich verbinde mich mit euch, mit der Leiblichkeit der Erde, mit der Kraft und mit ihren Leiden, mit allem, was da verwest und dem neuen Leben dient. Ich danke euch, dass ich unter euch allen, ihr wunderbaren Geschöpfe, leben darf, und ich wünsche euch Leben. Ich wünsche euch, dass ihr glücklich seid, dass ihr Träger des Lebens seid, jenes großen Lebens, das seit Jahrmilliarden über diese Erde wandert.

Ich atme mit in den Rhythmen dieser Erde. Was von außen in mich eindringt, wird in mir zum Leben, was in mir lebt, gebe ich weiter an alle Dinge. Ich bin ein kleines, lebendiges Teil im großen Strom. Gott aber ist der Geist des Universums, der in allem atmet.

Jörg Zink

 

Ich bin nicht der Herr über die Erde, sondern ein Pulsschlag ihres Herzens   

Atmen. Offensein wie eine offene Tür gegenüber allen Dingen. Und nicht nur die Dinge und die lebendigen Wesen aufnehmen wie durch eine offene Tür, sondern auch Gottes Geist – das ist es, was ich meine, wenn ich von geistlichem Leben spreche.

Aus: Was protestantisch ist   S. 2