Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben;

ich komme bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir’s wohlgefallen.

 

Ich sehe dich mit Freuden an  und kann mich nicht sattsehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.

O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!

Brief von Helmut James  Moltke an seine Frau Freya, am   24. Dezember 1944

 

Mein Herz, das (Bild) ist zwar nicht gelungen, aber ich wollte doch, dass Du wüsstest, wie es hier aussieht, ehe ich ausziehe. * Da Du die Gegenstände sicherlich erkennen wirst, so sage ich Dir: Der Kreis ist die Lampe; darunter hängt der Stern, genau in Augenhöhe, darunter steht Deine Krippe und rechts davon Dein Engel, rechts davon das Gesangbuch, links von der Kerze das Tintenfass und ganz links die Bibel aufgeschlagen. – Trotz aller Stümperhaftigkeit bin ich zufrieden mit der Skizze und mache keinen zweiten Versuch, denn ich bin sicher, dass Deine liebenden Augen erkennen werden, dass es „zellig“ ist und dennoch lieb und nicht verlassen. Und das gerade wollte ich vermitteln. Dass der Tisch schiefe und ungerade Beine hat usw. usw. musst Du dafür in Kauf nehmen. Der Stern hängt genau in Augenhöhe beim Sitzen, und ihn schaue ich ganz unverwandt an, wenn es nötig ist. Er ist dabei ein sehr wichtiges Requisit.

Heilig Abend

Mo. 24. Dezember 2018

 

*gemeint ist die Hinrichtung

 

Dieser Brief  wurde 1 Monat vor seiner Hinrichtung aus der Gefängniszelle  unzensiert  von Gefängnispfarrer  Harald Poelchau unter Lebensgefahr herausgeschmuggelt

 

Helmut James von  Moltke 1907 – 1945  war Jurist und Widerstandskämpfer (Kreisauer Kreis)

EG 37