23. Dezember

Wie das Lied „Lobt Gott ihr Christen…“ entstanden ist:

 

Nikolaus Hermans Sohn Christoph sollte auf Wunsch seines Vaters auch Kirchenmusiker werden. Aber dieser wollte eigene Wege gehen, Vater und Sohn zerstritten sich darüber und Christoph verließ das Elternhaus – für eine lange Zeit – 8 Jahre.

Der Vater wurde krank darüber.

 

Im Jahr 1554,  am Vorabend des Weihnachtsfestes, ging ein junger Mann, ausgemergelt und heruntergekommen, die Straßen Joachimsthals entlang auf das Haus des Kantors zu – es war Christoph. Im Hause brannte  noch Licht. Nikolaus Herman konnte nicht schlafen. Als der Sohn seinen alten Vater am Fenster sah, verließ ihn der Mut anzuklopfen. Er ging weiter – den vertrauten Weg zur Silbermine, in der er früher gearbeitet hatte. Dort fände er sicher einen Unterschlupf für die Nacht.  Auf der Suche nach einem Schlafplatz stieß er auf eine unbekannte Tür. Er betrat den Stollen dahinter und in diesem Moment fiel die schwere Tür krachend zu. Entsetzt sah er, dass diese Tür von innen keine Klinke hatte und so schwer war, dass er sie auch nicht aus den Angeln heben konnte.

Er war gefangen in einem Bergwerkschacht außer Betrieb. Der junge Mann sank in sich zusammen: „Hier komme ich nie mehr heraus. Hier hört mich kein Mensch.“

 

„Haben Sie eigentlich einmal etwas von Ihrem Christoph gehört?“ Eindringlich fragte der alte Steiger nach dem Weihnachtsgottesdienst den Kantor, als dieser die Kirche abschloss. „Schon seit 8 Jahren nicht mehr“ erwiderte Herman traurig. „Gestern Abend sah ich jemanden in Richtung der alten Silbermine gehen. Es war dunkel, aber ich könnte schwören, dass es Christoph war.“ Herman überlegte nicht lange. So schnell sie  konnten, liefen die beiden in Richtung Silbermine. Sie suchten alles ab, sie riefen und irgendwann öffneten sie auch die Tür zu dem aufgelassenen Schacht. Am Boden lag ein Mensch: Christoph. Er lebte und stammelte benommen: „Hier komm ich nie mehr raus!“

Sein Vater nahm ihn in die Arme und sagte nur: „Wach auf, die Tür ist offen!“

Noch am gleichen Abend griff Nikolaus Herman wieder zur Feder und begann zu schreiben:

Wie im Lebenslauf schon erwähnt, wirkte

Nikolaus Herman 

in dem Städtchen Jáchymov.

 

Heute kennt das fast keiner. Joachimsthal hieß es

früher und war eine reiche Bergbaugemeinde mit Silberminen.

 

Die „Joachimsthaler“  wurden hier geprägt und später

als „Taler“ in ganz Europa als Zahlungsmittel bekannt.

 

„Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis;

der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob Ehr und Preis.“

Christl Fleischmann