Adam und Eva 

 

 …Wenn es ewiges Leben gibt, und wenn das ewige Leben nicht Ersatz für das gegenwärtige Leben ist, sondern dessen  Vollendung , dann werden die fragmentarischen Erfahrungen von Gelingen und Glück zum „Vorgeschmack“ zum Präludium eines unendlichen Glücks….

Davon erzählt Marie Luise Kaschnitz in ihrer Erzählung „Adam und Eva“

 

Die beiden, in jungen Jahren aus dem Paradies vertrieben, sind nun in die Jahre gekommen. Adam hat seine Sterblichkeit entdeckt. Er merkt, wie seine Augen schwächer, die Hände unsicher, das Gehör getrübt werden, wie Evas Haut schlaff und ihre Haare grau werden. Er wird zunehmend mürrisch, besonders gegenüber den lauten Kindern. Er wird misstrauisch gegenüber seiner Frau mit ihrer Lebensfreude. Eine Zeit lang hält er sie für naiv, unwissend und oberflächlich. Lässt sie  ihn  mit seinem furchtbaren Wissen allein?

 

 

Weihnachtsfest 25. Dez.

Und Eva erzählt Adam von ihren gelegentlichen kleinen Ausflügen an die Mauer des Paradieses, von denen sie die Reben, die Zwiebel der Feuerlilie und den funkelnden Stein mitgebracht hatte: Woher hattest du das alles?, fragte Adam.

Die Engel, sagte Eva, haben es mir über die Mauer geworfen. Wenn wir kommen, rufe ich die Engel, und dann öffnen sie mir das Tor.

 

Adam schüttelte den Kopf, weil eine dunkle Erinnerung ihn überkam. Gerade dir, sagte er. Aber dann fing er an zu lachen, laut und herzlich, zum ersten Mal seit ,ach, wie langer Zeit.

 

 

 

Franz Josef Nocke — nach Marie Luise Kaschnitz

Dann, in einer Nacht, verrät er ihr

seine Erkenntnis: Wir müssen sterben!.

 

Große Neuigkeit, sagte Eva spöttisch.

Das weiß ich schon lang.

 

Hast du dir keine Gedanken gemacht, fragte Adam… Was wir hier zurücklassen, ist unfertig und keinen Pfifferling wert.

 

Jemand wird es schon fertig machen, sagte Eva

 

Die Kinder, sagte Adam streng, sind träge und leichtsinnig. Sie wissen nicht, was arbeiten heißt, und werden elend zugrunde gehen.

 

Es wird schon etwas aus ihnen werden, sagte Eva.

 

Und was wird aus uns, fragte Adam und stützte seinen Kopf auf die Hand.

 

Wir bleiben zusammen, sagte Eva. Wir gehen zurück in den Garten. Und sie legte ihre Arme um Adams Hals und sah ihn liebevoll an.

 

Ist er denn noch da?, fragte Adam erstaunt.

 

Gewiss, sagte Eva…“