Díe Presse

 

Wir müssen reden. Über ein Wort, das vielen meiner Kollegen sauer aufstößt, weil es (angeblich)  unseren Berufsstand in den Dreck ziehen soll. Sie wissen ja, welches Wort ich meine, schließlich hat es mehr als 100 Jahre auf dem Buckel: die gute alte „Lügenpresse!“ Brüllt man hierzulande ja immer gern, sobald’s kriselt – oder der Zeitgeist zu Furcht/Hass tendiert. Ich glaube aber, dieses miese Image ist unbegründet. Denn wer Worte gerne auseinander- und unter die Lupe nimmt, erkennt schnell ihre eigentliche Bedeutung.

Was ist eine Lügenpresse wirklich? Ganz klar: Sowas wie eine Saftpresse, nur eben für Lügen statt für Obst und Südfrüchte. Fliegt uns also mal wieder eine „Tatsache“ ins Haus, unter deren Schale sich eine fette reife Lüge verbirgt, quetschen wir sie aus, bis zum letzten Tropfen. Interessant ist dabei nicht, was unten rauskommt, sondern das, was im Inneren der Lügenpresse übrig bleibt – um inmitten dieser zermatschten Pampe nach dem ein oder anderen Körnchen Wahrheit zu suchen. Danke, dass wir geredet haben. Und danke an meine Kollegen -  fürs Lügenpressen.

 

  Philipp Rothenbacher 

 

Wenn es darum geht, die Wahrheit in einem Text zu  entdecken, fällt mir Martin Luther ein. Er hat ein paar sehr hilfreiche Vorschläge gemacht, wie wir mit Stellen umgehen sollen, die wir nicht verstehen – die in der Bibel, der SCHRIFT stehen:

 

 

Die Schrift ist ein Kräutlein, je mehr du es reibst, desto mehr duftet es.

 

Wenn du am Abend schlafen gehst, so nimm noch etwas aus der Heiligen Schrift

mit Dir zu Bett, um es im Herzen zu erwägen und es – gleich wie ein Tier – wiederzukäuen und damit sanft einzuschlafen.

 

Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte. Ich schüttle ihn und was runterkommt und reif ist, das nehme ich. Das andere lasse ich noch hängen. Wenn ich eine Stelle in der Bibel nicht versehe, ziehe ich den Hut und geh vorüber….    Martin Luther

3. Dezember

Kloster Michaelsberg Bamberg