Ev.– Lutherische Kirchengemeinde Markt Erlbach

Osterpredigt zu Lukas 24,13-35

 

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Hausgemeinde,

 

alles ist vorüberlegt und bedacht für Ostern 2020. Die kleinen und die große Osterkerze sind bestellt und geliefert. Das Bild für die Osternacht samt Gebet hatten Frau Ulrich und ich für die Osternacht ausgewählt. Und nun ist nichts mehr wie geplant.

 

Wir dürfen nicht zusammenkommen um die Schwächeren nicht in die Gefahr zu bringen, dass sie sich mit dem Corona-Virus infizieren können. So kommt das Bild in der Gottesdienst-Tüte zu Ihnen.

 

Auf der Bildkarte sind zwei Personen zu sehen, eng nebeneinander und gebeugt. Sie haben einen Weg vor sich und reden. Sie sind einander vertraut. Ähnlich wie in unserer Zeit. Es dürfen nur Menschen draußen unterwegs sein, die sich vertraut sind, die in einem Haushalt leben. Davon kann man bei den Jüngern auch ausgehen, dass sie sich mit all ihren Freuden, Hoffnungen und Ängsten tief vertraut waren.

Sie erzählen sich vom dem gerade Erlebten. Sie erzählen sich von dem, was sie gerade überlebt haben. Jesus kommt dazu, aber sie können ihn nicht erkennen. Ihre Augen sind auf den Boden gerichtet.

Die Kleider der Jünger tragen die Farbe der Erde.

Ich lade Sie ein den Abschnitt im Lukasevangelium noch einmal zu lesen.

Vor knapp 2000 Jahren begannen wir als christliche Gemeinde als versprengtes Häuflein. Die Geschichte

von den Emmaus-Jüngern zeigt das. Ähnlich wie wir heute, sitzt jeder irgendwo.

 

Jesus von Nazareth, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk, wie es bei Lukas heißt, stirbt elend am Kreuz. Seine Freunde und Freundinnen, Zeugen seiner Festnahme, Folterung und Hinrichtung, reagieren verstört. Damit hatten sie nicht gerechnet. Hatten sie doch gehofft, dass der gottgesandte Messias Israel erlösen werde. Der Traum zerplatzt. Und mit ihm der Glaube seiner Anhänger. Jesus, der Hoffnungsträger, wie wir heute sagen, hatte seine Anhänger zusammengehalten mit seiner Autorität, seinem Charisma, seiner Gottesklugheit und seiner souveränen Menschlichkeit. Jetzt zerfällt die Schar der Jüngerinnen und Jünger. Entsetzt stieben sie auseinander, zutiefst deprimiert. Sie verkriechen sich, schließen hinter sich ab und haben Angst. Heidenangst.

 

Zwei von der Jesus-Gruppe verlassen Jerusalem, den geografischen Mittelpunkt ihrer himmlischen Erwartungen. Die Stadt ist für sie zum Ort der religiösen und persönlichen Niederlage, zum Galgenberg, zur Hölle geworden. Nichts wie weg. Kleopas heißt der eine. Der Name des anderen ist nicht überliefert. Sie gehen nach Emmaus, in ein Dorf zehn Kilometer von Jerusalem entfernt. Der Fußmarsch über staubige Wege ist kein Osterspaziergang. Er ist eine Flucht.

 

So ergeht es uns manchmal auch. Eine Liebe zerbricht. Eine Karriere wird zerstört. Ein Unglück kommt über uns. Eine Krankheit frisst sich ein. Ein uns nahestehender Mensch stirbt. Die Einkünfte brechen weg wegen der Corona-Krise. Wir sind am Ende, sehen keine Perspektive mehr. Wir schließen uns ab. Oder flüchten. Von allen weg - irgendwo hin.

 

Doch die Emmaus-Jünger sind klug, sie folgen einem guten Instinkt: Sie gehen fort - nicht jeder für sich allein, sie gehen zu zweit. Von Jesus haben sie gelernt: "Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen." Anschluss suchen gerade in der Verzweiflung - das ist eine unschätzbare Lebensweisheit. Lebensrettend geradezu. Und sie unterhalten sich über ihren Kummer, suchen voneinander Rat. Auch das ist ein guter Hinweis für uns heute:

Anschluss suchen, obwohl wir uns nicht besuchen können.

Einander sagen wie es einem geht mit den seltsamen Lebensumständen.

 

Bei einem Vier-Augen-Gespräch über Tieftrauriges kommt nicht selten etwas Drittes hinzu. Gesprächsverlauf und Gesprächsergebnis sind mehr als das, was Einer, was eine Seite sagt. Sind mehr als das, was der Andere sagt. Sind auch mehr als die Summe dessen, was beide sagen. Im Fall der Emmaus-Jünger kommt "das Dritte" in Gestalt eines Mannes hinzu. Noch merken sie nicht, dass er der Gekreuzigte ist. Noch merken sie nicht, dass der Gekreuzigte lebt.

Doch der Fremde bringt die Wende. Wie funktioniert eine solche Wende, wie wir sie im Leben und in der Politik auch immer wieder brauchen? Der Fremde fragt sie nach dem, was sie bedrückt. Er kommt ihnen nahe, wird ihnen zum Nächsten. Erstaunt verharren sie, bleiben stehen. Vor der Dynamik der Wende ist Stillstand. Sie blicken zu Boden, nicht zum Himmel.

 

Und dann sprechen sie ihre schlimmen Erlebnisse aus: Von der Kreuzigung des Gottesmannes; von der Enttäuschung ihrer religiös-politischen Befreiungshoffnung; von dem Schrecken des leeren Grabes. Sie sprechen stockend. Dann aber sprudelt es aus ihnen heraus wie bei uns am Telefon, wenn endlich der richtige Anrufer da ist, dem wir alles anvertrauen können.

 

Ja, von Frauen hätten sie zwar gehört, dass Jesus lebe, berichten die beiden. Das können die beiden Jerusalem-Flüchtlinge einfach nicht glauben - noch nicht glauben.

 

Genau hier hakt der Dritte Mann ein. Unsere Geschichte ist eine Erzählung darüber, wie Verzweifelte zum Glauben kommen. Glauben, sagt der Fremde, geschieht mit dem Herzen. Ähnlich wie Lieben. Auch Frieden beginnt im Herzen, mit dem Bruch der Logik der Vergeltung. Der Weggefährte legt ihnen die Bibel aus, das Alte Testament der Juden, Gottes Wort auch für uns. Er führt sie weg von der Ebene des Verstandes, der nun einmal begrenzt ist; führt sie weg von der begrenzten sinnlichen Wahrnehmung. Er leitet sie hin auf die Ebene des Herzens. Und ihr Herz, eben noch kalt und starr vor Traurigkeit und Pessimismus, wird von Gottes Zuspruch warm. Es fängt an zu brennen, wie sich die Jünger später erinnern.

 

Sie schauen zuerst nach vorne auf den Weg, auf die Silhouette des Ortes, auf den sie zu gehen. Und dann nehmen sie den goldenen Himmel wahr vor ihnen und über ihnen.

Der goldene Himmel liegt nicht mehr in der Vergangenheit, sondern vor ihnen in der Zukunft.

Mit weißer Farbe ist darauf ein Kreuz zu erkennen bei genauer Betrachtung. Aus dem braunen Holzkreuz

des Karfreitags ist ein leuchtendes Zeichen der Zukunft geworden.

Die Jünger gehen darauf zu, gemeinsam mit Jesus.

 

So ähnlich erlebe ich unseren Himmel auch in den letzten Tagen, leuchtend und warm. Und es legen sich die Worte in meinen Mund "Bleibe bei uns".

 

So bitten ihn die Beiden, denn die Nacht bricht an; es wird wieder stockfinster. Auch bei uns wird es wieder stockfinster werden, denn Ostern bleibt es auf unserer Welt noch nicht für immer.

Der neue Freund nimmt die Einladung an. Er lässt die, die ihn bitten, nicht allein. Er geht mit ihnen ins Haus.

Auch Sie haben Jesus Christus in ihr Haus eingeladen. Er folgt der Einladung.

Er bleibt bei Ihnen und bei uns am Abend und am Morgen und an jedem neuen Tag.

So lassen Sie uns fröhlich sein, trotz aller Einschränkung, denn

 

Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

Wir dürfen Ostern 2020 feiern. Amen 

 

Ich lade Sie ein, dass wir unseren Glauben bekennen:

Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde

Und an Jesus Christus, seinen Sohn...

                                                                            

 

Christiana v. Rotenhan, Pfarrerin