Ev.– Lutherische Kirchengemeinde Markt Erlbach

Liebe Gemeinde!

 

Jubilate! Jubelt! So die Aufforderung des heutigen Sonntags. Wie geht es Ihnen damit? Zu gerne würde ich jetzt in Ihre Gesichter schauen, um ein Gespür dafür zu bekommen. Ist Ihnen nach Jubeln? Mir nicht – zumindest nicht uneingeschränkt.

 

In den Gesprächen dieser Tage höre ich verständlicherweise eine Vielzahl von Klagen. Menschen haben große Sorgen, leiden unter den schon spürbaren Folgen der Krise, befürchten weitere negative Auswirkungen, fragen sich, wie sich all das weiterentwickeln wird. Eine große Last, die viele niederdrückt.

 

Doch in diese Situation hinein kommt dieser Sonntag und verlangt von uns: Jubelt! Schräg…

 

Schräg und im ersten Moment auch eine Überforderung – eine, der ich mich nur zögernd stelle. Doch im Vertrauen darauf, dass Gottes Zeitplan sich letzten Endes als stimmig und sinnvoll erweist, lasse ich mich darauf ein und lade Sie ein, sich mit mir darauf einzulassen.

 

Vielleicht gibt es ja doch den einen oder anderen Grund, der uns jubeln lässt. Das Kirchenjahr ist dabei eine wichtige Erinnerung, denn wir befinden uns noch immer in der nachösterlichen Freudenzeit und machen uns bewusst:

Der Tod ist besiegt!

 

Meine Freude darüber, die Art und Weise, wie ich das bejubeln möchte, kann ich hier gar nicht zum Ausdruck bringen. Ein absoluter Wahnsinn!!!! Wenn der Tod besiegt ist, was sollte mich dann noch ängstigen?

Gleichwohl verstehe ich auch, wenn die Sehnsucht nach etwas Greifbarerem groß ist, nach etwas, was im Hier und im Jetzt erfahrbar ist. Schauen wir also genauer hin und fragen, was wir abseits oder auch inmitten der Krise erleben?

 

Nehmen Sie sich dafür bitte einen Augenblick Zeit...

 

Und? Ist Ihnen etwas eingefallen? Ein besonders liebes Telefonat mit jemandem aus der Familie vielleicht. Ein Gespräch am Gartenzaun. Das Lächeln der Dame an der Supermarktkasse. Das Gezwitscher der Vögel. Ein schönes Lied. Ein leckeres Essen. Das herzliche Lachen über eine lustige Begebenheit…

 

Klar, nichts von all dem löst die Sorgen und Nöte dieser Zeit auf. Aber der Blick auf das Schöne und Wertvolle verändert für einen Moment die Perspektive. Ich atme auf, weiß mich in aller Not und trotz der Sorgen beschenkt und erlebe, was das Sprichwort sagt: Loben zieht nach oben – nicht nur meine Mundwinkel…

 

Die zieht es nämlich als erstes nach oben, wenn ich mir klar mache, was neben all dem Sch..., der in dieser Woche war, an Schönem passiert ist. Als nächstes hebt sich dann mein Kopf und mein Blickfeld weitet sich. Ich hole tief Luft und spüre förmlich, wie meiner Seele Flügel verliehen werden: Ja, Loben zieht nach oben.

 

Es tut gut, sich auf diesen Sonntag einzulassen, auf das Jubeln, das Loben, das Danken, weil es mir das Schöne und Gute vor Augen führt und weil es mich Gott näher bringt. Es schafft eine neue Verbindung mit ihm.

 

Neben dem Jubel ist das der zweite Kerngedanke des heutigen Sonntags: die Verbindung mit Gott. Im Predigttext heißt es: „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ Also: Dranbleiben, nicht locker lassen – auch wenn es nicht immer ganz leicht ist.

 

Das erinnert mich an unsere erste und letzte Passionsandacht heuer, die wir in der katholischen Kirche in Markt Erlbach gefeiert haben. Diese Kirche erzählt von der Sehnsucht nach Heimat, von der Sehnsucht, etwas Vertrautes um sich zu haben, wenn außen herum alles anders ist, von der Sehnsucht und von der Notwendigkeit, an Gott dranzubleiben, um leben, überleben zu können. Um sich in der Fremde der Heimat bei Gott zu erinnern, wurde diese Kirche gebaut. Kirche – das ist Heimat.

 

Und Kirche, das ist häufig auch der Ort, an dem wir uns unserer Verbundenheit mit Gott vergewissern. Sie ist der Ort, der der Begegnung mit Gott sozusagen vorbehalten ist. Der Ort, an dem der Glaube gestärkt, die Hoffnung genährt und die Liebe erfahrbar wird. Kirche, das ist der Ort, an dem wir die Wendepunkte unseres Lebens feiern oder bedenken. Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen: Kirche ist da und lässt allen damit verbundenen Emotionen Raum.

Immer wieder wird so eine Kirche zu „meiner“, zu „Ihrer“ Kirche.

 

Aus diesem Grund vermissen viele den Gottesdienst in „ihrer“ Kirche und blicken mit großer Vorfreude dem Tag entgegen, an dem das wieder möglich sein wird. Auch die Kirchweih, die wir an diesem Wochenende in Jobstgreuth gefeiert hätten, führt uns vor Augen, was fehlt.

 

Gleichzeitig will ich mir klar machen, dass uns die augenblickliche Situation auch als Chance dienen kann, weil wir abseits unserer gewöhnlichen Sonntagsgottesdienste in unseren Kirchen vielleicht zu ganz neuen Erkenntnissen kommen.

 

Der Palmsonntag hat mir dabei schon geholfen. „Lobet Gott in den Versammlungen!“ hieß es da in der Losung – ein Umstand, der mich zum Schmunzeln und zum Nachdenken gebracht hat und der mich hat fragen lassen, wie das mit den Versammlungen jetzt eigentlich ist. Schließlich sind sie untersagt... oder? Die Antwort lautet: Ja und nein.

 

Ja, weil wir uns nicht in der Kirche sammeln. Nein, weil wir uns als Kirche sammeln.

 

Wir wissen uns an den verschiedensten Orten im Glauben miteinander verbunden. Im Glauben an einen Gott, der seine Menschen zu sich sammelt. Im Glauben an einen Gott, der uns trägt in dieser schweren Zeit, der Stecken und Stab ist im finstern Tal. Im Glauben an einen Gott, an dem wir gerade in diesen Zeiten dranbleiben, weil wir schon längst gemerkt haben: Ohne ihn können wir nichts tun. Mit ihm aber können wir uns den Herausforderungen dieser Tage stellen, die Angst hinter uns lassen und im Vertrauen auf ihn in die Zukunft gehen. Auch das zählt in meinen Augen zu den Früchte, die im Evangelium erwähnt sind – Früchte, die uns darüber hinaus selbst wieder stärken.

 

Das ist Grund genug, ihn zu loben – an welchem Ort auch immer! Lassen Sie uns das tun und uns gemeinsam zu diesem wunderbaren Gott bekennen:

 

Ich glaube an Gott, den Vater...

 

... Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen. 

Kirsten Kemmerer

 

Predigt zum Sonntag Jubilate 2020

Johannes 15, 1 - 8

St. Jobst

„das Geburtstagskind“